21. Januar 2015

Volkswirtschaft auf griechisch

Es ist ein früher Tag auf Rhodos. Es regnet und alle Straßen sind wie leergefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
An diesem Tag fährt ein reicher Deutscher durch Rhodos und hält bei einem kleinen Hotel. Er bittet den Eigentümer, die Zimmer besichtigen zu dürfen, um vielleicht eines für die Übernachtung zu mieten. Dann legt er einen 100-Euroschein auf den Tresen und nachdem ihm der Hotelier einige Schlüssel überreicht, begibt er sich zur Zimmerbesichtigung.
Als der Besucher über die Treppe verschwunden ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, den Metzger, und bezahlt seine Schulden.
Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße hinunter und bezahlt den Bauer.
Der Bauer nimmt den grünen Geldschein und bezahlt damit seine Rechnung bei der Genossenschaft.
Der Mann dort nimmt den Euro-100er, rennt schnurstracks zu seiner Kneipe und bezahlt dort damit seine offenen Rückstände.
Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
Die Hure läuft zum Hotel und bezahlt mit dem Geld ihre ausstehenden Zimmerrechnungen.
Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.
In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen 100-Euro-Schein, mit den Worten, daß ihm keines der Zimmer gefällt, und verläßt Rhodos.
Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente dabei etwas.
Doch alle Beteiligten sind ihre Schulden los und blicken mit großem Optimismus in die Zukunft.
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